2011 feierte das Münchner Wirtschaftsforum 25jähriges Jubiläum

1986 wurde das MWF gegründet. Die Schriftstellerin Birgit Neiser, die in Australien lebt und die mittlerweile verstorbene Apothekerin Wilfriede Schmidt, suchten nach einer Alternative zu den etablierten Männer-Clubs. Zu diesen hatten Frauen damals keinen Zutritt. Von dieser Idee waren auch Hilde Uhler, Maria Elisabeth Littfinski, Ulrike Evers, Gertraud Grupp-Boltzen, Anna-Maria Marcotty und ihre Schwester Claudia Marcotty-Fäth überzeugt, die ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehörten.

Um Mitglied zu werden brauchte man entsprechende Referenzen. Die unterschiedlichsten Berufe waren vertreten. Angestellte in gehobenen Positionen sowie Unternehmerinnen und selbständig tätige Frauen wurde Mitglieder. Sie wollten ihre Kompetenz, Erfahrung und Persönlichkeit einbringen, austauschen und weitergeben. Die Gründung und die Versammlungen in den folgenden Jahren fanden im Seehaus im Englischen Garten statt. Es gab damals wie heute ein monatliches Treffen mit Vorträgen zu aktuellen Themen, Ausstellungen, Festen, Führungen zu kulturellen Ereignissen und einmal im Jahr ein Wochenendseminar.

Unter der Präsidentin Svea Kuschel wurde 1990 die erste gemeinsame Veranstaltung mit der Hypobank über zwei Tage organisiert. Thema: „Über Geld spricht Frau nicht." Gäste waren willkommen, sie zahlten 10 DM.

Aus der Begrüßungsrede: „Für eine Karriere ist nicht nur wichtig, was eine Frau kann, sondern auch, wen sie kennt. Wir treffen uns nicht nur, um nett mit einander zu reden, Vorträge zu hören, Seminare zu veranstalten und zu besuchen. Wir stehen auch dazu, dass wir uns Nutzen von unserer Verbindung erwarten. Das Verhältnis von Geben und Nehmen muss also ausgewogen sein.“

Rund 160 Teilnehmerinnen besuchten die Workshops und diskutierten über:

  1. Geldanlage
  2. Unternehmensgründung
  3. Versicherungen
  4. Steuerersparnis
  5. Verhandeln mit Banken und Geschäftspartnern
  6. Planung und Realisierung der eigenen Karriere.

Fazit: Frau muss alles über Finanzen lernen, Karriere ist nicht nebenbei und ohne Einsatz zu machen. Beides muss planvoll angegangen werden.

1991 gab es eine Wiederholung des Symposiums. Viele Teilnehmer der ersten Veranstaltung waren wieder dabei. Die meisten Inhalte der Workshops wurden beibehalten und aktualisiert.

Im selben Jahr wurde das MWF Mitglied im Stadtbund für Frauen. Jedes Mitglied in München entsandte eine Delegierte. Der Stadtbund ist Plattform für Politikerinnen, welche die dort diskutierten Themen weitertragen. Ein spannendes Thema war im September beispielsweise: „Wann denken Headhunter an Frauen?“
Der jährliche Mitgliedsbeitrag wurde ab 1992 von 120 DM auf 200 DM angehoben. Davon wurden aber auch das Weihnachtsdinner und der Neujahrsempfang für die Mitglieder bezahlt.

1993 wurde das jährliche Wochenendseminar zum Entspannen zur festen Einrichtung. Gisela Felststead gründete die so genannte Ressourcendatenbank. Diese enthielt Adressen, Informationen, Empfehlungen und Hobbies der Mitglieder. So konnte das Netzwerk weiter gefestigt werden. Zur Abwechslung gab es zwischendurch die Betriebsbesichtigung der Hermannsdorfer Landwerkstätten.

Die Themen des Jahres 1994 waren Kommunikation und Umgang mit Konflikten.

Frau Dr. Bernatzeder musste dann schon 1995 die Frage stellen, ob es am Programm liege, dass so wenige Mitglieder zu den Versammlungen kommen. Erste Pressekontakte wurden gesucht, Artikel in SZ, Tango und Stern veröffentlicht. Danach gab es zahlreiche Anträge auf Aufnahme. Aktuelle Vortragsthemen: „Gentechnik“ und „Sekten und ihre Macht in der Wirtschaft.“

Eine besondere Veranstaltung war das Expertinnenforum am 30. Juni und 1. Juli 1995 in Inzell. Es wurden je eine Politikerin, Volkswirtin, Soziologin, Pädagogin und Journalistin geladen. Sie alle referierten zum Thema „Chancen 2000 – Arbeitswelten der Zukunft“:

  1. Standort Deutschland – Perspektiven.
  2. Bundesdeutscher Arbeitsmarkt im demographischen Wandel.
  3. Zukunftsbereiche des Arbeitsmarkts in München.
  4. Trends zur Arbeitsplatzentwicklung.

Dazu wieder zwei Workshops:

  1. Zukunftsperspektiven für Frauen in der bayrischen Wirtschaft
  2. Chancen und Herausforderungen für die eigenen beruflichen Ziele nutzen.

Die Journalistin Melissa Müller mit dem Vortrag „Trends zur Arbeitsplatzentwicklung“ zieht Resümee: „Idealerweise gewinnt man durch Technik jede Menge Zeit, von der man nur etwas hat, wenn man sie für andere Dinge nützt. Wir neigen allerdings dazu, die gewonnene Zeit wieder in Arbeit zu stecken und uns von der Zeit immer mehr unter Druck setzen zu lassen. Wir laufen der Arbeit immer schneller nach, bis wir vor lauter Laufen nicht mehr zum Denken kommen.“

Fazit beim Expertinnenforum 1995: Erfolg ist strategisch planbar.

Svea Kuschel beruhigte 1996 die Zuhörer zum Thema „Lustlosigkeit der Mitglieder an Treffen teilzunehmen“. Sie wies darauf hin, dass alle Vereine darüber klagten. Es gab spannende Vorträge zu aktuellen Themen.

  1. Bürgerentscheid zur Verkehrsplanung am Mittleren Ring.
  2. Gute und neue Erkenntnisse von BWM über Telearbeit.
  3. Eine Veranstalung von Svea Kuschel „Euro und was nun“.
  4. Ein Harvardseminar zum Thema „Konfliktstrategien“.
  5. Und ein Hüttenwochenende mit viel Spaß für alle Beteiligten.

1997 wurde erstmals über die „Geheimnisse und Möglichkeiten des Internets informiert“ und ein ganztägiges Seminar geplant. Zwölf Mitglieder kamen zum Weihnachtsessen.

1998 findet sich in den Protokollen endlich mal eine Mitgliederzahl: 49.
Es gab zum Beispiel den Vortag „Interkulturelle Verhandlungen“ aus Sicht der Rechtsanwältin Angelika Garbrecht und der Konferenzdolmetscherin Adelheid Schöneich, die heute noch Mitglied ist.

Für 1999 wurde intensive Pressearbeit geplant. Kurzfassungen von interessanten Vorträgen wurden mediengereicht aufbereitet und an die Presse weitergegeben. Im Mai gab es eine Podiumsdiskussion „Chancen der Frauen in Wirtschaft und Beruf mit der neuen Regierung“. Im Juni wurde eine neue „Tochtergesellschaft“ vorgestellt: Der MWF-Investmentclub, mit einem dreiköpfigen Anlagenausschuss und 16 Mitgliedern. Völlig vom MWF getrennt, gab es keinen Konflikt mit der Gemeinnützigkeit. Der Club führte sich mit dem Thema „Frauen ran an die Börse“ ein.
Ab 2000 wurde der Jahresbeitrag auf 250 DM angehoben. Jahresthema war: „Den Frauen gehört die Zukunft“. Das MWF hatte inzwischen auch eine eigene Website im Internet. Auf der Seite konnten sich Mitglieder mit ihren Angeboten, Büchern, Geschäftsideen, Tätigkeiten und Kursen präsentieren. Interessierte konnten sich erstmals über einen Flyer des MWF informieren.

Auch der MWF-Investmentclub blieb nicht untätig. So gelang ein Durchbruch bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Abendzeitung, Bild, Für Sie, Marie Claire, Münchner Merkur, SZ, Wirschaftswoche, ein japanisches Wirtschaftsmagazin, Mona Lisa, Phoenix, 3 Sat, Bayern Regional und Radio Dänischer Rundfunk berichteten über den IC.

2001 wurde eine Satzungsänderung beschlossen. Seitdem besteht der Vorstand nur noch aus vier anstatt acht Mitgliedern: Vorsitzende, stellvertretende Vorsitzende, Schatzmeisterin und Schriftführerin. Es hat sich der letzte Mittwoch im Monat als regelmäßiger Termin etabliert. Neuer Versammlungsort wurde der Lyceumsclub in der Maximilianstraße 6.
Erwähnenswerte Vortrage:

  1. Frauenpower im Management
  2. Der Businessplan
  3. Chinesische Medizin
  4. e-Commerce

Zum 15jährigen Bestehen, feierten 12 Mitglieder ein Sommerfest im Juli.

2002 gab es zur Abwechslung im Juni eine Betriebsbesichtigung im Ayinger Bräu.
Mit einem neuen Vorstand entstanden neue Diskussionen über zukünftige Vortragsthemen. Um neue Mitglieder zu gewinnen, war unbedingt intensive Pressearbeit notwendig. Zum Beispiel Ankündigung von Vorträgen in der Tages- und Fachpresse. Zwar waren Mitglieder beruflich äußerst eingespannt, dennoch wurde der Vorschlag den Verein aufzulösen, abgelehnt.

2003 wurde die Vorsitzende Ruth Steinert zu zwei Podiumsdiskussionen eingeladen. Themen: „Abeitslosigkeit - zugehörig oder ausgegrenzt“ und zum Weltfrauentag „Sozialabbau und Altersvorsorge“. Corinne Baudisch stellte die neue Internetpräsenz vor.
Im November gab es eine Führung in der Pinakothek der Moderne: „Cy Twombly“.

2004 sorgte Mareike Gallandi als neue Vorstandvorsitzende für einen Neuanfang und machte Bestandsaufnahme. Eine neue Strategie wurde erarbeitet und vorgestellt mit Visionen für die Zukunft. Der Verein zählte 23 Mitglieder. Inzwischen gab es ein sehr großes Angebot von Frauennetzwerken in München. Viele waren international aufgestellt. Den Mitgliedern des MWF wurde ein Auftritt im Internet angeboten, es gab eine gezielte Suche nach neuen Mitgliedern und die Kooperation mit anderen Frauennetzwerken. Aktueller Versammlungsort: Unionsbräu München, in der Einsteinstraße 42. Der Mitgliedsbeitrag wurde von 130 Euro auf 75 Euro gesenkt.

2005 klingt das Protokoll der Mitgliederversammlung wenig fröhlich: Drei Vorstände haben ihr Amt niedergelegt. Die Vorsitzende arbeitet seit Oktober 2004 alleine, aber es gibt gute Nachrichten: Rückmeldungen über Veranstaltungen sind positiv, Frauen kommen mehrmals wieder und es gibt neue Vorstandsmitglieder. Das Jahr begann mit „Lachyoga“, einer Werksführung bei BWM München und zwei Podiumsdiskussionen zum Thema: „Erfolgreiche Strategien, Hindernisse und Stolpersteine auf dem beruflichen Weg“.

2006 wurde nach zwei Jahren erneut gewählt. Neue Vorsitzende wurde die Architektin Katja Merz. Im Januar referierte ausnahmsweise auch mal ein Mann: „Der Mann, das unbekannte Wesen.“ Das MWF feierte ein Sommerfest im Paulaner am Nockherberg und im Dezember das 20jährige Jubiläum im Ayingers am Platzl mit 25 gut gelaunten Mitgliedern und Gästen.

2007 zählte der Verein wieder 26 Mitglieder. Veranstaltungen in diesem Jahr: Gesetzliche Rente, ein Besuch der Ohel-Jakob-Synagoge in München, Svea Kuschel findet „Geld steht jeder Frau“, Ratschläge zu Anti-Burnout-Strategien für Business-Frauen. Spannend, in Kombination mit dem Sommerfest im August: „Wagnis – Ein anderes Wohnprojekt“ am Ackermannbogen in München.

Ab 2008 finden sich alle unsere Vorträge und Veranstaltungen in unserem Archiv.

Bis heute hatte das MWF zahlreiche Präsidentinnen:

  1. Svea Kuschel ab 1989
  2. Dr. Petra Bernatzeder ab 1994
  3. Dr. Heli Aurich ab 1999
  4. Ruth Steinert ab 2003
  5. Mareike Kennedy ab 2004
  6. Katja Merz ab 2006.

Ziel im MWF war es nicht nur eigene Vorteile über das Netzwerk zu erzielen, sondern auch Mitglieder sowie Gäste in der beruflichen Entwicklung zu unterstützen und weiterzuempfehlen.

Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Einladungen und Infos sind aber mittlerweile für alle zugängig und auf dieser Internetpräsenz abrufbar. Mitglieder können die Seite außerdem für kostenlose Werbung und Links auf ihre Internetauftritte nutzen. Es gibt Kontakte zu anderen Frauennetzwerken.

Wir sind immer noch ein Verein: Politisch und religiös unabhängig.